Mittwoch, 24. Februar 2010

EU-Bilanzregeln immer realitätsferner

Ich bin fassungslos, wie die ohnehin vagen Fair Values weiter aufgeweicht werden sollen. Auf der einen Seite bemühen sich Topleute um Kontakte mit den G20, den G8, den relevanten Politikern, um sich an der Diskussion von Lösungsansätzen, aber auch Warnungen konstruktiv zu beteiligen. Beispielhaft sei der Wunsch der G20 nach Vereinfachung der Bilanzregeln und nach einer begrifflichen Klärung des Fair Value.
Andererseits nimmt die gleiche Gruppe Einfluss auf das Standards-Board in London, dass für die EU verbindliche Bilanzstandards erarbeitet. So hat das IAS Board im Januar einen Zwischenstand bekannt gegeben, nach dem - tentative - künftige Bilanzen und Berichte völlig frei gestaltbar werden.

Der Begriff Fair Value soll beibehalten werden: Stand er bisher für die Sonderfälle "mark-to-model", für die komplizierte mathematisch-stochastische "Berechnungen" erforderlich waren, wird er nun zum Oberbegriff und soll "mark-to-market" mit einschließen. Das geht zusammen mit immer weiteren Tatbeständen, bei denen "mark-to-market" eingeschränkt werden soll:
  •  Geht die Liquidität eines Titels stark zurück?
  •  Ist - unabhängig davon - ein Kurs "ordentlich" zustande gekommen? (eine völlig neue, fast moralische Kategorie)
  •  Ist eine Transaktion unter Nötigung oder gar Zwang zustande gekommen?
  •  Wenn die ursprüngliche Transaktion in einem anderen Markt erfolgte als der Erwerber für den Verkauf plant und
  •  abhängig sein vom Kontenkreis - also etwa, ob sich der Titel im Anlagen- oder Handelsbuch befindet resp. umgebucht werden soll.
Das sind doch ganz merkwürdige Kriterien, die stark an die Beschreibung von "subprime" erinnern.
Natürlich tat es allen in der Seele weh, dass diese modernen und hübsch angelegten Häuser massenhaft preislich verfielen und unter den Hammer kamen. Aber, wenn kein Käufer mehr in Sicht ist und wenn verkaufte Häuser in die Zwangsversteigerung kommen, weil die Erwerber nicht ausreichend Kredit haben, und wenn einfach zuviel Häuser an der falschen Stelle oder zum Verkauf stehen, verfällt der Preis. Schon ein, zwei Verkäufe "unter Nötigung" können eine ganze Siedlung im Wert nach unten ziehen. Selbst wenn der Staat gegensteuert, kann er den Wertverfall vielleicht aufhalten. Jedes Überangebot - zumal, wenn es "aufgenötigt" wird - verdirbt den Markt.  Das gilt sinngemäß auch für viele strukturierte Finanzprodukte. Das ist zudem völlig unabhängig vom anzuwendenden Kontenkreis.

Auch der Versuch, die internationalen Buchungsstandards zu vereinfachen, scheint zu misslingen. Die ursprüngliche Idee, die bisherigen 41 IAS-Kapitel durch neun (?) International Financial Reporting Standards (IFRS) abzulösen, scheitert vermutlich daran, dass die IAS wegen  der zahlreichen Querverweise bestehen bleiben müssen. Vermutlich wird der Änderungsdienst nur bei den IFRS erfolgen.

Die Komplexität erhöht sich. Bürokratie ist der Preis für weltweite Buchungsfreiheit.

Siehe auch: http://polimyths.blogspot.com/

Donnerstag, 18. Februar 2010

Der Euro schwächelt nicht.

Auch Euro-Skeptiker müssen doch einräumen, das die Euro-Einführung ein voller Erfolg war. Die DMark (mit 'DM/1,95...' umgerechnet) hatte seit 1980 ein durchschnittliches Niveau von 1,05 Dollar – der Euro (und die DM seit 1987) bislang 1,18 Dollar. In den Krisen hatte immer der Dollar ein Tief. Erreichte die DMark Spitzenwerte von fast 1,40 wurde der Euro in der Finanzkrise bis fast 1,60 $ notiert. Das ist nicht das Problem. „Der Euro schwächelt" ist dummes Gerede. Ein Kurs von 1,35 ist stark – vielleicht sogar zu stark. Man erinnere sich an die Klagen der Exportwirtschaft, als der Euro erstmals das Niveau von 1,20 Dollar erreichte.
(Zum Vergrößern anklicken! Mit Button " eine Seite zurück" wieder zurück)

Die graue Linie zeigt die Volatilität, auch als Markthitze oder Nervosität zu interpretieren. Die hat sich sogar im Schnitt von 10,4 (DM seit 80) auf 9,5 Prozent gesenkt – und das auf einem der effizientesten Märkte mit Tausenden von Kursen alle Sekunden rund um die Uhr (24h/7T). Die Volatilität des Wallstreet Crashs 1987 in Höhe von 27 Prozent wurde bislang noch nicht wieder erreicht. Die Finanzkrise erreichte bislang 23 Prozent „Nervosität" hält jedoch länger an.
In der Grafik sind ausgewählte Ereignisse angezeigt, denen Einfluss auf die Währungskurse zugeschrieben wird. Der Höhenrausch des Dollars 1985 war Resultat der „Twin Deficits" in US-Handel und Haushalt, die täglich anderthalb Milliarden Dollar Zufluss bedeuteten. Im NY Plaza Hotel einigten sich die führenden Nationen auf gezielte Dollarverkäufe. Das führte innerhalb von zwei Jahren zu einer Halbierung des Dollarwerts und zu umgekehrten, konzertierten Maßnahmen - manche sagen auch zum Crash Okt. 87.

Man müsste es einmal vergleichen, welchen „Impact" Griechenland auf den Euro hat und welchen Verdi mit seinen solitären Streikforderungen für den öffentlichen Dienst? Nach einer anfänglichen „Testphase" scheint der Euro seit 2002 aus Krisen gestärkt hervor zu gehen. Wichtig ist, dass die Stabilitätskriterien - so willkürlich sie entstanden sind - wieder angestrebt und eingehalten werden.

Freitag, 12. Februar 2010

So schön kann Banking sein

Wie erzielen Investmentbanken 25% Rendite? Für eine Milliarde griechische Staatsanleihen setzt man vielleich 150 Millionen Eigenkapital ein. Die restlichen 850 Millionen holt man sich von der EZB für ein Prozent und kauft sich die Anleihe, die um die sechs Prozent bringen könnte. Mit dem Netto-Zinsertrag kommt man auf 28% auf das eingesetzte Kapital - abzüglich 3% für Boni und andere "Unkosten" macht genau 25%!

Theoretisch könnte eine Bank im Kontokorrentkredit mehr holen: Eine staatliche Bank etwa bietet 10,25 % bis zum Limit und 14,25 % darüber an, Kredite, die sie ebenfalls für 1% beschaffen könnte. Ab 16% ist wohl Wucher. Aber das ist kleinteiliges Geschäft. Der Rest ist "Marge". Umgekehrt bieten für Private die griechischen Staatsanleihen keinen Anreiz. Sie bekommen nicht so billiges Geld.

Ähnlich sind Kredite an Unternehmen zu "riskant". Da muß man ( mehr ) sich zu sehr in die Unternehmensdaten hinein knien. Zu aufwendig und zu filigran. Und ein Kontoüberzieher oder Unternehmen könnte tatsächlich in die Insolvenz rutschen. Für Griechenland kann man Euroland aktivieren. Allein, weil deutsche Banken 43,2 Mrd. Euro griechische Staatsanleihen besitzen, Frankreich sogar 75,5, Schweiz 64, usw. Das ist Carry Trade II.

Die Finanzbranche wird durch die EZB subventioniert.

Disclaimer: Dies ist eine Modell-Rechnung, wie es sein könnte. Sie kann durch Hedging überlagert werden, falls das Risiko zunimmt. Die Relation zwischen laut Basel II erforderlicher Eigenkapital-Abdeckung und dem Erwerb von Staatsanleihen selbst ist nicht berücksichtigt.